Kategorie-Archiv: Märchen im Alltag

Klamm heimlich? Von wegen!

Wie naiv muss man sein, um am Himmelfahrtstag einen Besuch in der Breitachklamm zu wagen? Denn auf diese Idee kommen an solchen Tagen eigentlich alle. Das ist dann nicht mehr wirklich lustig. Weil die von unten aus dem Oberstdorfer Ortsteil Tiefenbach denen denen von oben aus dem Kleinwalsertal auf dem zweieinhalb Kilometer langen schmalen Steig begegnen.

Da muss man echt aufpassen, dass man sich nicht auf die Füße steigt. Schließlich bleiben die Menschen ja zwischendurch stehen und machen Fotos. Dann kommt es zu einem Stau.

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Und plötzlich ist das Kind da

Den Text habe ich vor etwa 13 Jahren geschrieben, als unsere Tochter Hannah auf die Welt kam. Und ich war nicht im mindesten auf das gefasst, was da auf mich zukommen sollte.

Der Schlag kommt ansatzlos, er trifft dich völlig unvorbereitet. Immer. Egal wo. Vielleicht beim Bummel durch die Stadt, wenn dich deine Freundin beiläufig fragt: „Schatz, da drüben ist eine Apotheke, könntest du mir rasch einen Schwangerschaftstest besorgen?“

Der akute Schwindelanfall muss dir nicht peinlich sein. Schließlich habt ihr über das Thema Kinderkriegen bereits geredet und akzeptiert, dass ihr euren Beitrag leisten wollt, damit die Deutschen nicht aussterben. Trotzdem: Wenn der positive Fall eintritt, ist es nicht mehr nur theoretische Diskussion, sondern Wirklichkeit. Und deine Welt, wie du sie bisher kanntest, ändert sich. Schlagartig eben. Durch deinen Kopf rasen Blitzlichter wie Kann-ich-mit-dieser-Verantwortung-umgehen, Geht-das-denn-überhaupt, Können-wir-uns-das-denn-leisten, Wird-es-ein-Junge-oder-ein-Mädchen, Mannomann-wir-werden-eine-kleine-Familie-sein, Was-mach-ich-denn-jetzt-bloss-als-erstes.

Was du jetzt machst? Pause. Hinsetzen. Ein Bier trinken oder zwei. Dich allmählich mit dem Gedanken anfreunden. Zusammen reden. Nicht tagelang im Internet surfen und Risiken bei der Geburt checken. Du wirst Vater. Deine Freundin wird Mutter. Ihr bekommt ein Kind. Ihr habt keine Ahnung, was das bedeutet. Aber ihr werdet euer Bestes geben. Andere haben das schließlich auch geschafft. Und falls es dir noch nicht klar war: Du wirst jetzt erwachsen.

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War Herr Hitler Christ?

Es war einmal ein Vater, der hatte eine Tochter. Sie hieß Charlotte und ging in die Grundschule. Vierte Klasse. Eines Tages begleitete sie ihren Vater, als der einen Termin  beim Hautarzt hatte. Das war nichts Besonderes, weil der Vater öfter mal zum Arzt musste. Nicht nur zum Dermatologen.Auf ihrem Weg kamen sie am Platz der Opfer des Nationalsozialismus in München vorbei. Und weil die Charlotte aus Prinzip neugierig war, wollte sie wissen, was es denn mit der ewigen Flamme, die da in einem scheußlichen Eisenturm brennt, auf sich hat.

Weil Väter einen lebenslangen Erklärungsnotstand haben, erklärte er der Tochter den Hitler und den Holocaust in drei Sätzen. Die Charlotte hat kurz überlegt und dann bloß gefragt: „Papa, war der Herr Hitler ein Christ?“

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Nike auf Samothraki

Ende Mai hatte die Sonne bereits viel Kraft. Paul saß an seinem Lieblingsplatz im Schatten eines Olivenbaums oberhalb des antiken Theaters. Von dem waren zwar nur noch die Reste zweier marmorner Sitze übrig, doch von hier hatte er den erhabensten Blick auf die fünf weißen Säulen des Heiligtums, zwischen denen das klare dunkle Blau der nordöstlichen Ägäis durchschimmerte. Seit mehreren Jahren reiste Paul auf die Insel Samothraki, um seinen Jahresurlaub dort zu verbringen. Nike auf Samothraki weiterlesen