Kategorie-Archiv: Fremde & Länder

Paartherapie Traumschiff

Wer es 18 Tage auf einem Kreuzfahrtschiff aushält, den schreckt nichts mehr im Leben und der braucht auch keine Beziehung mehr. Tagebuch einer Reise inklusive „Traumschiff“-Dreharbeiten auf der guten alten „MS Deutschland“ von Ecuador nach Mexiko.

Es war eine Reise unter erschwerten Bedingungen im Februar 2012. Frau C. und ich, beide bereits weit jenseits der 50, befanden uns im vierten Jahr einer Beziehung, die nach einem furiosen Beginn inzwischen geprägt war von ihrem Dasein auf der Überholspur und meinem immer öfter stotternden Motor, der nicht mehr so richtig  auf Touren kommen wollte. Knapp drei Wochen Kreuzfahrt sollten Gleichklang bringen. Was für ein Irrtum.

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Willkommen im Club!

Schuld an der ganzen Sache ist Roger Vadim, so viel steht fest.  Der Regisseur fuhr 1953 mit seinem Jeep zufällig an der Hütte der Colmonts nahe dem Dorf St. Tropez vorbei. Und fand einen Platz, an dem sein Filmteam etwas zu essen bekam. Sie erinnern sich? „Und ewig lockt das Weib“. Brigitte Bardot am Strand. Skandal! „Le Club 55“ öffnete 1955 – und ist Legende..

Zu essen bekommt man bei Patrice de Colmont immer noch was, wie damals, als die Mama B.B., Curd Jürgens, Jean-Louis Trintignant & Co. bekochte. Unter den weißen Sonnensegeln sitzt an einfachen weißen Holztischen alles, was in dieser Welt reich, prominent, schön und bedeutend ist oder sich dafür hält. Man darf seine wahre Bedeutung allerdings daran ablesen, wenn man in der Hochsaison im August am Vormittag im „Cinquantecinq“ anruft und für mittags noch einen Tisch will – und den auch bekommt. Wie der Münchner Künstler Stefan Szczesny, der seit zehn Jahren in St. Tropez lebt und Patrice natürlich gut kennt. Patrice wiederum kennt sie alle, von Charles Aznavour bis Bruce Willis, von der Bardot bis zu Catherine Deneuve.

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Florida sehen und erben

Florida – das Gelobte Land! War es zumindest in den 1960er-Jahren, als viele Deutsche dazu verführt wurden, im Sunshine-State ein Grundstück mit großartigen Gewinnaussichten zu kaufen. Mein Vater war einer von ihnen. Und ich muss das jetzt ausbaden.

PalProsA2Als mein Vater Anfang dieses Jahrtausend in die ewigen Jagdgründe aufbrach, fanden sich in seinen demenzchaotischen Unterlagen auch Papiere, aus denen hervorging, dass er bereits Ende der 1980er-Jahre meiner Schwester und mir ein Grundstück in Florida überschrieben hatte. In einem Ort namens Interlachen, inmitten einer gar wunderbaren Seenlandschaft gelegen. 10.000 Quadratmeter groß. Wow! Was für eine Perspektive! Ich sah alles schon vor mir – mein Haus, mein Boot, mein Pick-up, meine Zukunft!

Bevor er als 75-Jähriger dem allmählichen Vergessen anheim fiel, war mein Vater ein akribischer Unterlagenabhefter und dazu noch ein Geheimniskrämer, was dazu führte, dass ich ihn nicht mehr fragen konnte, was es denn mit diesem Grundstück auf sich hatte. Immerhing gab es noch Prospekte und Urkunden.
Eines Tages fand ich in meinem Briefkasten eine Nachricht aus den USA, dass für das Land Steuern zu bezahlen wären, immerhin ein paar hundert Dollar. Wenn es ums Geld geht, zerplatzen Träume.

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„Nutting, jest limin …“ – unterwegs auf Anguilla

Wirbelstürme im September/Oktober sind für Anguilla so normal wie anderswo ein Regenschauer. Die 9000 Einwohner der winzigen Karibik-Insel nördlich von St. Martin sind Katastrophen gewöhnt und ertragen sie mit fatalistischem Gleichmut. Auch wenn bei Johnno’s in Sandy Ground nach dem windigen Intermezzo wieder mal nur der Kühlschrank stehen geblieben ist. Immerhin.

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Die Alten von Okinawa – Gateball in Ogimi

Es ist kurz vor vier Uhr nachmittags in dem kleinen japanischen Bergdorf Ogimi auf der Insel Okinawa. Auf dem grauen Sandplatz am Ortsrand, dort, wo die Mandarinenplantagen beginnen, die sich steil den Berghang hinauf ziehen, fegt ein alter Mann im kurzärmligen beigefarbenen Hemd und grauer Stoffhose mit einem Reisigbesen die Blätter zur Seite. Sumiko schlendert die schmale Straße herunter, den Crocket-Schläger über der Schulter. Sie steigt die vier Stufen zu dem Platz hoch und wechselt ein paar Worte mit dem Mann, der die beiden kleinen u-förmigen Tore und den hölzernen Zielpflock in den Boden treibt. Ihren Schläger lehnt sie an eine alte, hellblau gestrichene Holzhütte und setzt sich auf einen Baumstamm, der am Rand des Spielfelds liegt und als Bank dient. Den Vormittag über hatte Sumiko noch auf dem Feld gearbeitet, das Unkraut in ihrem Gemüsebeet gejätet, die reifen Auberginen geerntet und nach den Mandarinenbäumen gesehen. Jetzt, am Nachmittag, hat sie Gummistiefel, braune Arbeitskleidung und Strohhut mit weißen Joggingschuhen, weißer Trainingshose, weißem Kapuzenshirt mit hoch gekrempelten Ärmeln und weißer Baseballkappe vertauscht. Die Armbanduhr mit dem flexiblen Metallband trägt sie am linken Unterarm, kurz unterhalb des Ellbogens. Ihre schwarzen Augen glitzern schelmisch unter der Schirmmütze, und wenn sie lacht, leuchtet ihr faltenreiches Gesicht. Sumiko lacht gern. Sie ist 90 Jahre alt. Ihr Mann ist vor acht Jahren im Alter von 86 Jahren gestorben, sie hat sechs Kinder, 16 Enkel und 17 Urenkel. Sumiko spielt liebend gern Gateball, wie sie Crocket hier nennen.

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Vom Pilgern und Baden – Eine Reise auf die japanische Insel Shikoku

Wer diese Pilgerfahrt ernsthaft in Angriff nehmen will, braucht zunächst einmal das entsprechende Gewand. Es besteht im Wesentlichen aus einer weißen Jacke und einer weißen Hose, ähnlich der Kleidung eines Judokämpfers. Bloß ohne schwarzen Gürtel. Stattdessen gibt es eine Ringschärpe, die um den Hals gelegt wird, sowie folgende Accessoires: einen Bambushut (die Pilgerausführung!), einen Wanderstock mit Glöckchen, eine Tasche für das Pilgerbüchlein, das man an jeder Stätte stempeln lässt als Anwesenheitsnachweis (das Procedere gleicht dem hiesiger Wanderungen), einen Rosenkranz, ein separates Glöckchen, eine Tüte für die Papierstreifen mit dem eigenen Namen (jeweils einen gibt man in jedem Tempel ab, damit auch die Götter dort einen Anwesenheitsnachweis haben), einen Satz Kerzen und Streichhölzer, ein Heft, in das das Bild der Statue des jeweils zuständigen Heiligen jedes Tempels geklebt wird, Gamaschen, Räucherstäbchen, eine Landkarte und ein Portemonnaie. Im günstigsten Fall ist dieses Pilgerset für knapp 30.000 Yen zu haben, das sind etwa 300 Euro. Es gibt selbstverständlich auch luxuriösere Ausführungen.

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Hüttentour in Alta Badia

 Der 5. August 2008 war für Irene Pedratscher mindestens ein ebenso besonderer Tag wie für den Rest der Bewohner von Alta Badia. An jenem Tag nämlich unternahm Papst Benedikt XVI. von seiner Sommerresidenz in Brixen aus eine Pilgerfahrt in das Südtiroler Hochtal, in das kleine Dorf Oies. Dort steht das Geburtshaus des Heiligen Josef Freinademetz, der der Schutzheilige des gesamten Tals ist und Missionar in China war. Sein Bildnis prangt als gewaltiges Plakat an der Kirche in Oies und wüsste man nicht, dass es sich um einen Südtiroler Priester handelt, man könnte glauben, er wäre mit seinem hageren Gesicht und dem langen Kinnbart ein Einwanderer. Irene Pedratscher jedenfalls stand an diesem Tag ebenso wie alle anderen Gläubigen und Pilgern auf der Straße, und es gibt ein Foto, auf dem der Papst ihr die Hand reicht. Dieses Foto, und jetzt nähern wir uns dem eigentlichen Thema, zeigt die Hüttenwirtin gern allen ihren Gästen. Die ihre Ski am Rand der Piste abgeschnallt haben und mit dem Pferdeschlitten gekommen sind, um bei ihr Mittag zu essen.

†tia (HŸtte) Oies - Alla Tana dellÕOrsoIrenes „Ütia Oies – Alla Tana dell’ Orso“, und jetzt sind wir beim Thema, ist eine von acht Hütten, die der Skifahrer im Rahmen der zu Beginn dieser Saison geschaffenen „Skitour Gourmet Santa Croce“ besuchen kann. In sämtlichen beteiligten Hütten kommen typische ladinische Gerichte auf den Tisch und schaffen so quasi ein Gegengewicht der Hausmannskost auf den Bergen zu der mit Michelin-Sternen ausgezeichneten Haute cuisine von Norbert Niederkofler („St. Hubertus“), Stefan Wieser („Siriola“) und Claudio Melis („La Stüa de Michil“) im Tal. Bei Irene, deren eine Stube etwa 500 Teddybären aus Plüsch zieren, während die andere von zahlreichen kleinen Hexen bevölkert ist, gibt es in der Saison Steinpilze vom Grill, der als so genannter „Tartarenhut“ auf dem Tisch steht. Und selbstverständlich auch mit allen Arten von Filet belegt werden kann. Wer den „Hexenteller“ bestellt, erhält übrigens neben ladinischen Spezialitäten auch eine kleine Hexenpuppe als Souvenir.

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Es war einmal in Zimbabwe

Hwange Nationalpark, Zimbabwe, morgens um halb sieben. 1995 ist die Welt noch in Ordnung an diesem Dienstag im Mai eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang, auch wenn es nahe Null Grad Celsius kalt ist. Das scharfe Klicken der Patrone, die in den Gewehrlauf gleitet, ist das einzige Geräusch. Spike lädt seelenruhig durch. „Für alle Fälle“, grinst er und mustert die Greenhorns, die er durch den Busch führen soll. Zu Fuß. „Wenn ein Tier auf dich zu kommt“, sagt er, „darfst du niemals weglaufen. Es ist auf jeden Fall schneller als du“. Es war einmal in Zimbabwe weiterlesen

Moderne Kunst in Las Vegas

Es muss mindestens zwölf Jahre her sein, als bei einem der Top-Kunsthändler in New York das Telefon klingelte. „Hören Sie mal“, sagte eine Männerstimme, „ich will ein paar Bilder kaufen…“

Pause.

„…ich möchte sie in meinem neuen Hotel in Las Vegas aufhängen.“

William Acquavella, dessen Büro gleich um die Ecke des Metropolitan Museum of Modern Art in Manhatten liegt, hatte derart Unwahrscheinliches bereits öfter gehört und zahlte mit gleicher Münze zurück: Moderne Kunst in Las Vegas weiterlesen

Nike auf Samothraki

Ende Mai hatte die Sonne bereits viel Kraft. Paul saß an seinem Lieblingsplatz im Schatten eines Olivenbaums oberhalb des antiken Theaters. Von dem waren zwar nur noch die Reste zweier marmorner Sitze übrig, doch von hier hatte er den erhabensten Blick auf die fünf weißen Säulen des Heiligtums, zwischen denen das klare dunkle Blau der nordöstlichen Ägäis durchschimmerte. Seit mehreren Jahren reiste Paul auf die Insel Samothraki, um seinen Jahresurlaub dort zu verbringen. Nike auf Samothraki weiterlesen