Kategorie-Archiv: Reise & Lust

Südtirol: Pfelders – Ski-Tipp für Insider

Dieses Skigebiet im Passeiertal ist sowas wie jenes legendäre Dorf in Gallien: Die gesamten Alpen sind übererschlossen mit Liftanlagen, Skischaukeln und Pistenzirkussen. Pfelders jedoch wehrt sich erfolgreich gegen die Vermassung des alpinen Skiurlaubs. Ein Ski-Tipp für Insider.

Das autofreie Dorf hat schon recht früh den Trend zu nachhaltigem Urlaub in intakter Natur erkannt. Es gibt lediglich zwei Sessellifte und zwei Tellerlifte. Gäste dürfen mit dem Auto bis zum Hotel oder der Pension fahren. Dann bleibt das Gefährt bis zur Abreise stehen. Man braucht es auch nicht: Egal, wo man wohnt – bis zur nächsten Piste sind es maximal drei Minuten zu Fuß bzw. per Ski. Wenn ausreichend Schnee liegt.

Lange Schlangen an den Liften? Fehlanzeige. Die Kapazität reicht locker für alle, die in Pfelders Urlaub machen. Und von Meran sind es 45 Autominuten – da fahren die Tagesskiläufer lieber nach Meran 2000 oder sonstwo hin. Und das, obwohl die Pisten in Pfelders die ideale Kombination für Anfänger und Fortgeschrittene bieten.

Das Skigebiet reicht bis auf 2502 Meter hinauf. Es ist normalerweise äußerst schneesicher, die Beschneiungsanlagen müssen höchst selten in Betrieb genommen werden. Die Pisten sind perfekt präpariert, soll heißen, Buckel werden platt gewalzt. Trotzdem hat man nie jenes langweilige Autobahngefühl, das einem den Spaß am Schwingen so oft verdirbt.

Südtirol: Pfelders – Ski-Tipp für Insider weiterlesen

Kalterns Quintessenz

Es geht eben auch anders: Wer nach Kaltern in Südtirol fährt und sich mit den Menschen dort beschäftigt, der erlebt einen von gegenseitiger Wertschätzung geprägten Mirkokosmos, dessen gesellschaftlicher Konsens durchaus das Zeug zum Vorbild hat: Gemeinschaftsgefühl, Zusammenhalt, Tradition, Stolz, Liebe zur Heimat. Und ausgezeichnete Weine.

Seit jeher ist Kaltern eine Weinregion. Und die Kellerei Kaltern zeigt, wie gut eine Genossenschaft funktioniert. Die Idee dahinter: Würde jeder für sich arbeiten, würde er scheitern – nur gemeinsam lässt sich etwas erreichen. Darüber sind sich die immerhin 400 Mitglieder der Genossenschaft einig.

Deswegen hat man dort bereits in den 1980er-Jahren erkannt, dass Klasse statt Masse die richtige Richtung ist. Entsprechend wurden die Erträge der rund 300 Hektar großen bewirtschafteten Fläche (45 Prozent Weißwein- und 55 Prozent Rotwein-Sorten) konsequent reduziert – von 200 Zentner pro Hektar auf derzeit 75 Zentner. Und das kommt der Qualität eindeutig zugute. 1,8 Millionen Flaschen werden jährlich befüllt.

Am besten sieht man das an der Quintessenz-Linie. Kellermeister Andrea Moser zeigt hier das perfekte Zusammenspiel von noblen Rebsorten und bestem Terroir, von Hingabe und Fachkenntnis. Daraus entstehen Weine für besondere Momente.

Die Quintessenz-Linie wird ausschließlich aus den besten Trauben der ältesten Charakterlagen gekeltert und konzentriert sich auf fünf große Leitsorten: Sauvignon, Cabernet Sauvignon, Weißburgunder, Kalterersee/Vernatsch und edelsüßer Goldmuskateller.  Details und Verkostungsnotizen gibt’s hier.

Wer diese (und natürlich auch alle anderen) Weine verkosten will, der hat genau zwei großartige Möglichkeiten.

Erstens: das Winecenter. Diese monolithische Skulptur am Eingang von Kaltern ist das ambitionierte Projekt der Wiener Architekten-Gruppe feld72. Es lebt vom Dialog der alten Kellerei aus dem Jahr 1911 mit der Architektur des 21. Jahrhunderts.

Zweitens: das Musikfestival „Kaltern Pop“ vom 25. bis 27. Oktober. Es findet heuer bereits zum vierten Mal statt und markiert das Ende der Weinlese. Die Kellerei Kaltern hat für diese Initiative eine Sonderfüllung des Leuchtenberg Kalterersee Classico Superiore mit einem eigenen Kaltern Pop Etikett realisiert.

Wer sich jetzt nicht zu einem Besuch in Kalterns heiler (Wein-)Welt entschließt, dem ist nun wirklich nicht mehr zu helfen.

Klamm heimlich? Von wegen!

Wie naiv muss man sein, um am Himmelfahrtstag einen Besuch in der Breitachklamm zu wagen? Denn auf diese Idee kommen an solchen Tagen eigentlich alle. Das ist dann nicht mehr wirklich lustig. Weil die von unten aus dem Oberstdorfer Ortsteil Tiefenbach denen denen von oben aus dem Kleinwalsertal auf dem zweieinhalb Kilometer langen schmalen Steig begegnen.

Da muss man echt aufpassen, dass man sich nicht auf die Füße steigt. Schließlich bleiben die Menschen ja zwischendurch stehen und machen Fotos. Dann kommt es zu einem Stau.

Klamm heimlich? Von wegen! weiterlesen

Hakuna Matata in Rom

Willkommen in Rom!

Irgendwie hat das schon Vorteile, wenn man so durch die TV-Kanäle zappt. Anders kann ich mir das nicht erklären, dass ich ansatzweise kapiert habe, was der Afrikaner meinte, als er meine Tochter und mich in Rom anquatschte. Wir waren gerade angekommen, hatten die Taschen im Hotel abgegeben und waren bei einbrechender Dunkelheit auf dem Weg zum Kolosseum. Weil meine Tochter nach drei Jahren Latein in den Herbstferien endlich mal live sehen wollte, was Sache ist.

„Hey brother“, sagte der Typ, „hakuna matata“, und wir begrüßen uns mit dem Sportlermännerhandschlag, als ob wir zwei Kumpels wären, die sich länger nicht gesehen haben, „hakuna matata. You both look great. You from Germany?!“

Mir war nicht klar, dass man das so deutlich erkennen konnte.

„Hakuna matata. I love Germans. Mein Bruder in Wolfsburg.“

Aha. Ich antwortete mit einem freundlichen „Hakuna Matata“, wie ich das aus dem König der Löwen, Teil 3 kannte. Wir unterhielten uns noch über die Anzahl der Frauen, mit denen jeder von uns lebte und logen uns gegenseitig etwas vor, woraufhin uns der Senegalese zwei Armbänder und einen kleinen geschnitzten Elefanten („for a long life“) schenkte, wobei er ständig beteuerte, dies wäre ihm eine Herzensangelegenheit und er wollte kein Geld dafür. Aber wenn ich ihm eine Spende für seine kranke Tochter geben würde, wäre das toll.

Hakuna Matata in Rom weiterlesen

Auf dem Albtraumschiff

Wer es 18 Tage auf einem Kreuzfahrtschiff aushält, den schreckt nichts mehr im Leben und der braucht auch keine Beziehung mehr. Tagebuch einer Reise inklusive „Traumschiff“-Dreharbeiten auf der guten alten „MS Deutschland“ von Ecuador nach Mexiko.

Es war eine Reise unter erschwerten Bedingungen im Februar 2012. Frau C. und ich, beide bereits weit jenseits der 50, befanden uns im vierten Jahr einer Beziehung, die nach einem furiosen Beginn inzwischen geprägt war von ihrem Dasein auf der Überholspur und meinem immer öfter stotternden Motor, der nicht mehr so richtig  auf Touren kommen wollte. Knapp drei Wochen Kreuzfahrt sollten Gleichklang bringen. Was für ein Irrtum.

Auf dem Albtraumschiff weiterlesen

Willkommen im Club!

Schuld an der ganzen Sache ist Roger Vadim, so viel steht fest.  Der Regisseur fuhr 1953 mit seinem Jeep zufällig an der Hütte der Colmonts nahe dem Dorf St. Tropez vorbei. Und fand einen Platz, an dem sein Filmteam etwas zu essen bekam. Sie erinnern sich? „Und ewig lockt das Weib“. Brigitte Bardot am Strand. Skandal! „Le Club 55“ öffnete 1955 – und ist Legende..

Zu essen bekommt man bei Patrice de Colmont immer noch was, wie damals, als die Mama B.B., Curd Jürgens, Jean-Louis Trintignant & Co. bekochte. Unter den weißen Sonnensegeln sitzt an einfachen weißen Holztischen alles, was in dieser Welt reich, prominent, schön und bedeutend ist oder sich dafür hält. Man darf seine wahre Bedeutung allerdings daran ablesen, wenn man in der Hochsaison im August am Vormittag im „Cinquantecinq“ anruft und für mittags noch einen Tisch will – und den auch bekommt. Wie der Münchner Künstler Stefan Szczesny, der seit zehn Jahren in St. Tropez lebt und Patrice natürlich gut kennt. Patrice wiederum kennt sie alle, von Charles Aznavour bis Bruce Willis, von der Bardot bis zu Catherine Deneuve.

Willkommen im Club! weiterlesen

Florida sehen und erben

Florida – das Gelobte Land! War es zumindest in den 1960er-Jahren, als viele Deutsche dazu verführt wurden, im Sunshine-State ein Grundstück mit großartigen Gewinnaussichten zu kaufen. Mein Vater war einer von ihnen. Und ich muss das jetzt ausbaden.

PalProsA2Als mein Vater Anfang dieses Jahrtausend in die ewigen Jagdgründe aufbrach, fanden sich in seinen demenzchaotischen Unterlagen auch Papiere, aus denen hervorging, dass er bereits Ende der 1980er-Jahre meiner Schwester und mir ein Grundstück in Florida überschrieben hatte. In einem Ort namens Interlachen, inmitten einer gar wunderbaren Seenlandschaft gelegen. 10.000 Quadratmeter groß. Wow! Was für eine Perspektive! Ich sah alles schon vor mir – mein Haus, mein Boot, mein Pick-up, meine Zukunft!

Bevor er als 75-Jähriger dem allmählichen Vergessen anheim fiel, war mein Vater ein akribischer Unterlagenabhefter und dazu noch ein Geheimniskrämer, was dazu führte, dass ich ihn nicht mehr fragen konnte, was es denn mit diesem Grundstück auf sich hatte. Immerhing gab es noch Prospekte und Urkunden.
Eines Tages fand ich in meinem Briefkasten eine Nachricht aus den USA, dass für das Land Steuern zu bezahlen wären, immerhin ein paar hundert Dollar. Wenn es ums Geld geht, zerplatzen Träume.

Florida sehen und erben weiterlesen

„Nutting, jest limin …“ – unterwegs auf Anguilla

Wirbelstürme im September/Oktober sind für Anguilla so normal wie anderswo ein Regenschauer. Die 9000 Einwohner der winzigen Karibik-Insel nördlich von St. Martin sind Katastrophen gewöhnt und ertragen sie mit fatalistischem Gleichmut. Auch wenn bei Johnno’s in Sandy Ground nach dem windigen Intermezzo wieder mal nur der Kühlschrank stehen geblieben ist. Immerhin.

„Nutting, jest limin …“ – unterwegs auf Anguilla weiterlesen

Die Alten von Okinawa – Gateball in Ogimi

Es ist kurz vor vier Uhr nachmittags in dem kleinen japanischen Bergdorf Ogimi auf der Insel Okinawa. Auf dem grauen Sandplatz am Ortsrand, dort, wo die Mandarinenplantagen beginnen, die sich steil den Berghang hinauf ziehen, fegt ein alter Mann im kurzärmligen beigefarbenen Hemd und grauer Stoffhose mit einem Reisigbesen die Blätter zur Seite. Sumiko schlendert die schmale Straße herunter, den Crocket-Schläger über der Schulter. Sie steigt die vier Stufen zu dem Platz hoch und wechselt ein paar Worte mit dem Mann, der die beiden kleinen u-förmigen Tore und den hölzernen Zielpflock in den Boden treibt. Ihren Schläger lehnt sie an eine alte, hellblau gestrichene Holzhütte und setzt sich auf einen Baumstamm, der am Rand des Spielfelds liegt und als Bank dient. Den Vormittag über hatte Sumiko noch auf dem Feld gearbeitet, das Unkraut in ihrem Gemüsebeet gejätet, die reifen Auberginen geerntet und nach den Mandarinenbäumen gesehen. Jetzt, am Nachmittag, hat sie Gummistiefel, braune Arbeitskleidung und Strohhut mit weißen Joggingschuhen, weißer Trainingshose, weißem Kapuzenshirt mit hoch gekrempelten Ärmeln und weißer Baseballkappe vertauscht. Die Armbanduhr mit dem flexiblen Metallband trägt sie am linken Unterarm, kurz unterhalb des Ellbogens. Ihre schwarzen Augen glitzern schelmisch unter der Schirmmütze, und wenn sie lacht, leuchtet ihr faltenreiches Gesicht. Sumiko lacht gern. Sie ist 90 Jahre alt. Ihr Mann ist vor acht Jahren im Alter von 86 Jahren gestorben, sie hat sechs Kinder, 16 Enkel und 17 Urenkel. Sumiko spielt liebend gern Gateball, wie sie Crocket hier nennen.

Die Alten von Okinawa – Gateball in Ogimi weiterlesen

Vom Pilgern und Baden – Eine Reise auf die japanische Insel Shikoku

Wer diese Pilgerfahrt ernsthaft in Angriff nehmen will, braucht zunächst einmal das entsprechende Gewand. Es besteht im Wesentlichen aus einer weißen Jacke und einer weißen Hose, ähnlich der Kleidung eines Judokämpfers. Bloß ohne schwarzen Gürtel. Stattdessen gibt es eine Ringschärpe, die um den Hals gelegt wird, sowie folgende Accessoires: einen Bambushut (die Pilgerausführung!), einen Wanderstock mit Glöckchen, eine Tasche für das Pilgerbüchlein, das man an jeder Stätte stempeln lässt als Anwesenheitsnachweis (das Procedere gleicht dem hiesiger Wanderungen), einen Rosenkranz, ein separates Glöckchen, eine Tüte für die Papierstreifen mit dem eigenen Namen (jeweils einen gibt man in jedem Tempel ab, damit auch die Götter dort einen Anwesenheitsnachweis haben), einen Satz Kerzen und Streichhölzer, ein Heft, in das das Bild der Statue des jeweils zuständigen Heiligen jedes Tempels geklebt wird, Gamaschen, Räucherstäbchen, eine Landkarte und ein Portemonnaie. Im günstigsten Fall ist dieses Pilgerset für knapp 30.000 Yen zu haben, das sind etwa 300 Euro. Es gibt selbstverständlich auch luxuriösere Ausführungen.

Vom Pilgern und Baden – Eine Reise auf die japanische Insel Shikoku weiterlesen