Der Einzelne und die Masse

Künstlerischer Pragmatismus hat einen Namen – Peter Knirsch. Der Maler, der mit der Kabarettistin, Schauspielerin und Autorin Lisa Fitz in Niederbayern lebt, sagt: »Ich male, was gefällt.« Vor vier Jahren hat er bei seiner ersten Vernissage in Eggenfelden verschiedene Stile ausprobiert, weil er sehen wollte, auf was die Leute am meisten reagieren. »Da hatte ich von Strichmännchen bis hin zu sehr komplizierten Bildern alles im Repertoire. Dann musste ich mit Entsetzen feststellen, dass die Leute alles gekauft haben.« Nur mit Abstraktem kann er nicht viel anfangen. »Da wundere ich mich immer, wie viel Schmarrn hineininterpretiert wird, was sich der Künstler angeblich dabei gedacht hat. Kunst ist ganz banal Spaß an der Freud’. Ohne Regeln und Gesetze.«

Der Schauspieler Herbert Knaup besucht Peter Knirsch in dem weitläufigen bäuerlichen Anwesen im Rahmen des Projekts Kunstadventskalender. Er sieht das ein wenig differenzierter.

Peter Knirsch hat das gemeinsame Kunstwerk, das die beiden für das Charity-Projekt machen wollen, schon ein wenig vorbereitet, es zeigt einen Roboter, der mit einer Gießkanne einen Busch mit orangefarbenen Früchten gießt. Knaup malt mit dem dicken Edding ratzfatz eine lachende Sonne hinein, gibt etwas Ocker, Blau und Grün dazu, drunter schreibt er den Satz: »Ich wünsche uns eine sonnige Zukunft.«

Musikalisch hört sie sich so an.

Die Sonne hat Herbert Knaup deswegen so gut drauf, weil er so seine Autogrammkarten signiert. »Humor ist wichtig«, sagt er, »auch in der Kunst. Weil er Distanz schafft zu einem selber. Kunst kommt ja nur teilweise von Können, von Handwerk, das ist zwar wichtig, aber man muss auch die Fertigkeit besitzen, sich auszudrücken.« Und dann erzählt er die Fabel vom chinesischen Kaiser.

»Das beschreibt ganz gut den Vorgang, bis du so weit bist, um als Künstler auf die Bühne zu gehen oder ein fertiges Produkt zu zeigen«, sagt Knaup. »Das ist in meinem Beruf auch so. Einmal aus der Hüfte schießen geht vielleicht, aber danach wird eine Wiederholung schwierig.«

Dass Peter Knirsch einen Roboter als Thema gewählt hat, kommt nicht von ungefähr. »Was mir in den letzten Jahren immer mehr abgeht, ist Disziplin. Sich selbst gegenüber, seinen Mitmenschen gegenüber, und der Gesellschaft gegenüber. Die Entwicklung der letzten zehn Jahre gefällt mir überhaupt nicht, die Menschen rennen wie eine große dumme Herde, glotzen den ganzen Tag auf Bildschirme und werden vollkommen blind der Realität gegenüber. Ein Jugendlicher nimmt heute seine Umwelt gar nicht mehr wahr. Es wäre notwendig, sich an den kleinen alltäglichen Dingen wieder zu freuen, back to the roots. Momentan nehme ich nur eine riesige gesteuerte Masse wahr. Es wird immer schlimmer und härter. Wirtschaftlich, politisch, gesellschaftlich weltweit, alles nur noch Lug und Trug, wir werden beschissen hinten und vorne.«

Knaups Vorstellungen von der Zukunft sind da doch etwas sonniger. »Ernährung ist wichtig, dass man weiß, was man da zu sich nimmt, woher das kommt, dass man auch lernt, es zuzubereiten, Sport ist natürlich ebenfalls wichtig, das seh’ ich an meinem Fünfjährigen, wie viel der sich tagsüber bewegen muss, damit er abends schlafen kann.« Ihm geht es aber auch um bestimmte Fähigkeiten, das geistige Rüstzeug. »Wichtig wird sein, den eigenen Willen zu stärken, ohne eigenwillig oder trotzig zu werden. Nachzuforschen in sich selbst, was man vom Leben tatsächlich will. Ohne die Menschen um sich herum und die Gesellschaft außer Acht zu lassen, zu erkennen, dass man in einer gemeinsamen Welt lebt, gemeinsam dafür verantwortlich ist. Und als einzelner seinen Teil dazu beiträgt, dass es lebenswert bleibt auf diesem Planeten, auch die Verantwortung dafür übernimmt. Und irgendwann lernt, dass es Spaß macht, zu geben – aber auch anzunehmen lernt, dass man für etwas belohnt wird.«