Hakuna Matata in Rom

Willkommen in Rom!

Irgendwie hat das schon Vorteile, wenn man so durch die TV-Kanäle zappt. Anders kann ich mir das nicht erklären, dass ich ansatzweise kapiert habe, was der Afrikaner meinte, als er meine Tochter und mich in Rom anquatschte. Wir waren gerade angekommen, hatten die Taschen im Hotel abgegeben und waren bei einbrechender Dunkelheit auf dem Weg zum Kolosseum. Weil meine Tochter nach drei Jahren Latein in den Herbstferien endlich mal live sehen wollte, was Sache ist.

„Hey brother“, sagte der Typ, „hakuna matata“, und wir begrüßen uns mit dem Sportlermännerhandschlag, als ob wir zwei Kumpels wären, die sich länger nicht gesehen haben, „hakuna matata. You both look great. You from Germany?!“

Mir war nicht klar, dass man das so deutlich erkennen konnte.

„Hakuna matata. I love Germans. Mein Bruder in Wolfsburg.“

Aha. Ich antwortete mit einem freundlichen „Hakuna Matata“, wie ich das aus dem König der Löwen, Teil 3 kannte. Wir unterhielten uns noch über die Anzahl der Frauen, mit denen jeder von uns lebte und logen uns gegenseitig etwas vor, woraufhin uns der Senegalese zwei Armbänder und einen kleinen geschnitzten Elefanten („for a long life“) schenkte, wobei er ständig beteuerte, dies wäre ihm eine Herzensangelegenheit und er wollte kein Geld dafür. Aber wenn ich ihm eine Spende für seine kranke Tochter geben würde, wäre das toll.

Ich gab ihm ein paar Münzen, was er irgendwie nicht so toll fand. Woraufhin wir uns ohne ein „Hakuna Matata“ trennten.

Derlei sollte uns in den kommenden Tagen noch öfter passieren, was Auswirkungen auf unsere Strategie hatte, und ich mit den Händen tief in den Hosentaschen herumlief, um dem Handschlag zu entkommen.

Außerdem hapert es mit dem Wahrheitsgehalt des Swahili-Spruchs. Als ob es in Rom keine Probleme gäbe. Vor allem mit den Touristen. Es ist in Rom wie in so vielen Großstädten Europas – sie sind schlicht zu voll. Die Attraktionen werden geradezu überrannt.

Am Petersdom haben wir nur eineinhalb Stunden in der Schlange gewartet. Was durchaus erträglich war, denn der Petersplatz hat schon was Meditatives. Ärgerlich war nur der Weg bis zur Warteschlange. Weil einen da alle zwei Meter einer anquatscht, der dich für fünfzig, sechzig Euro auf der Diretissima hineinschleusen will.

Da wären dann zwar auch die Sixtinische Kapelle und die Vatikanischen Museen dabeigewesen, aber wir hätten dort vermutlich außer der Decke nichts gesehen, wegen der Menschenmassen.

Beim Forum Romanum mussten wir ebenfalls für Tickets anstehen. Gekauft haben wir die Kombination Forum – Palatin – Kolosseum. Das hat aber auch nichts geholfen.

 

 

Weil wir zwar am Kolosseum an der Eintrittskartenkaufwarteschlange vorbei durften, dann aber in jener vor der Sicherheitsschleuse standen. Denn jeder Besucher muss durch einen Metalldetektor wie beim Sicherheitscheck am Flughafen gehen. Und das dauert.

Drinnen im Kolosseum war es dann so voll, dass wir verzweifelt eine Lücke an der Brüstung suchten, ein paar Fotos machten und zusahen, dass wir wieder rauskamen.

 

 

 

Der Trevi-Brunnen war übrigens abgesperrt, sodass wir leider keine Münze reinwerfen konnten. Das wäre auch schwierig geworden, weil wir da schon recht weit hätten werfen müssen, so über die Menschen hinweg.

 

Eines der eindrucksvollsten Monumente Roms allerdings ist nicht überlaufen. Es handelt sich um den Altar des Friedens, die ara pacis. Schon seltsam, dass die Erinnerung an Friedenszeiten derart wenig Aufmerksamkeit genießt. Dabei ist der Kontrast zwischen Antike und moderner Architektur wohl atmosphärisch der Wunderbarste der Ewigen Stadt. Momente der Besinnung fern jeglichen Trubels.

Überraschend war auch die Tatsache, dass Halloween in Rom derart populär ist. Bereits am frühen Abend füllen sich die Straßen der Altstadt mit allerlei Hexen, Gespenstern und Skeletten. Am Campo de‘ Fiori hat jedes Restaurant die entsprechende Dekoration mit ausgehöhlten Kürbissen. Und die Jungs, die die Touristen zum Eintreten überreden wollen, sind ebenfalls gar lustig kostümiert.

Wir waren dann in einem Restaurant abseits des Halloween-Rummels, Eingekeilt zwischen zwei Schweizerinnen und einem Paar aus Asien aßen wir köstliche Nudeln. Die anderen ebenfalls. Wobei das asiatische Pärchen ihrer Gewohnheit nach die Portion laut schlürfend verputzte. Und dabei gleichzeitig ihre Smartphones nicht aus den Augen ließen. Unterhalten haben sich die beiden nicht. Andere Kultur eben.