Shopping-Queen und Stadt-Botanikerin

Bekanntlich können Frauen alles besser als Männer, außer einparken, und selbst da wird der Abstand immer geringer. Frauen besitzen außerdem ein spezielles Shopping-Gen, das sie in die Lage versetzt, stundenlang Boutiquen und Warenhäuser zu durchforsten und dann noch tagelang über den Beutezug zu reden. Natascha Ochsenknecht hat es bei Modezar Guido Maria Kretschmer in dessen TV-Sendung gar zur »Shopping Queen« gebracht (gut, sie musste sich den Sieg mit Gerit Kling teilen, aber was soll’s).

Die Frankfurter Künstlerin Natalie Goller befasst sich gern mit Architektur, mit Fassaden. Entsprechend hat sie sich für das gemeinsame Kunstwerk ein Gebäude ausgesucht – ein Shopping Center. »Ich hab es aber nur von außen fotografiert.« Sie lächelt. »Ich bin noch gar nicht drin gewesen.«

Wie bitte? Fehlt ihr etwa dieses Gen, ist sie die Ausnahme von der Regel? »Wenn ich ein Bild verkaufe, dann gehe ich als Belohnung auch gern einkaufen.«

Aha, also doch.

»Aber ich gebe das Geld für Material wie Leinwände und Farben aus und nicht für Klamotten und Schuhe.«

Künstler ticken eben anders. Natalie Goller beschäftigt sich in erster Linie mit Orten, Städten, Häusern, Räumen und Formen. Sie fotografiert, wählt aus, setzt das Motiv dann in Öl um. »Für mich ist der Anfang der schwierigste Moment, die weiße Leinwand zu gestalten. Ich suche erst den Ausschnitt aus und übertrage ihn dann auf das Format. Ich male aber nicht ab, sondern adaptiere das Motiv.«

Sie mag die Räumlichkeit, wie sie ist, ohne Menschen. »Es geht nur um den Raum, den Hintergrund kann sich der Betrachter hineindenken. Ich finde es Geheimnisvoller, wenn es nur um den Ort geht. Meistens sieht man den Zusammenhang nicht, da kann sich der Betrachter reindenken.«

Natascha Ochsenknecht beschäftigt sich zunächst mit dem Himmel. Wie alle Frauen kann sie zwei Dinge gleichzeitig, in diesem Fall malen und reden. »Ich hab jeden Morgen einen Pinsel in der Hand, Puderpinsel, zum Schminken. Wenn ich malen würde, wäre das wahrscheinlich irgendwas Abstraktes mit wilden Farben. Ich shoppe gern und ich male auch gern, das lässt sich manchmal nur zeitlich nicht so vereinbaren. Architektur malen finde ich spannend, und Natalie macht das toll.«

Die Künstlerin greift nur behutsam ein, gibt kleine Hinweise. Natascha verwendet jetzt für das Gebäude Neongelb und -orange. »In den Farben würd ich mich gern tätowieren lassen.« Es macht ihr sichtlich Spaß, jetzt hat sie in jeder Hand einen Pinsel. »Mein Großvater konnte schon sehr gut Zeichnen. Im Krieg hat er Tagebuch geführt und die Orte, an denen er war, skizziert. Mein Vater hat auch sehr gut gemalt, Porträts, Landschaften, Aquarelle. Ich bin so gesehen schon mit Kunst groß geworden. Es gab immer einen Malkasten, wo wir uns als Kinder austoben konnten, und ich hab das mit meinen Kindern genauso gemacht. Die durften auch mein Gesicht anmalen, als sie noch ganz klein waren. Ich selber hab auch Aquarelle gemalt und verschiedene Techniken ausprobiert, habe aber seit Jahren nicht mehr gemalt, weil mir einfach die Zeit gefehlt hat. Aber letztes Jahr hab ich mir eine Staffelei zugelegt und Farben, eigentlich würde ich gern anfangen, aber ich warte noch auf die Zeit. Ich hab zwischendurch ein Buch geschrieben und mache auch viele andere Geschichten, ich möchte mich dann schon einfach hinsetzen können und malen.«

So wie Natalie. »In meiner Arbeit möchte ich meinen Blick auf die Stadt vermitteln, auf den Heimat gewordenen Beton; fremd und vertraut zugleich.« Quasi als Stadt-Botanikerin sammelt sie wie in einem Architektur-Herbarium Stilblüten und Mauerblümchen, Leuchtreklamen, Fassaden, Balustraden, fast alpine Kulissen, morbide Architekturen. »Besonderen Reiz üben dabei der Verfall und die Ambivalenz städtischer Architektur auf mich aus. Meine Bilder verdichten Augenblicke, gern übersehene Details, Ausschnitte und flüchtige Momente. Diese möchte ich festhalten und konservieren.«

Das Shopping-Center ist jetzt konserviert, Natalie und Natascha nennen ihr Werk »N-Sky«, wegen ihrer Vornamen. Und die Zukunft? Alles Shoppen oder was? »Ich glaube, dass die Kommunikation verloren geht«, sagt Natascha, »alle sitzen vor dem Fernseher oder sind im Internet unterwegs, es finden zu wenig Gespräche statt. Dadurch entsteht auch den Erwachsenen gegenüber eine Respektlosigkeit. Respekt geht verloren, Tischmanieren gehen verloren, und die ganze Esskultur ist kaputt. Den Kindern schmecken heute ja die Dosenerbsen besser als die frischen. Angesichts der vielen übergewichtigen Kinder muss das Thema gesunde Ernährung unbedingt besser geschult werden. Da sind besonders die Eltern gefragt, die schaffen ja die Basis. Das kann man nicht alles in die Schulen wegschieben. Essen ist nicht nur Nahrungsaufnahme, das soll man auch ein bisschen zelebrieren.«