Südtirol: Pfelders – Ski-Tipp für Insider

Dieses Skigebiet im Passeiertal ist sowas wie jenes legendäre Dorf in Gallien: Die gesamten Alpen sind übererschlossen mit Liftanlagen, Skischaukeln und Pistenzirkussen. Pfelders jedoch wehrt sich erfolgreich gegen die Vermassung des alpinen Skiurlaubs. Ein Ski-Tipp für Insider.

Das autofreie Dorf hat schon recht früh den Trend zu nachhaltigem Urlaub in intakter Natur erkannt. Es gibt lediglich zwei Sessellifte und zwei Tellerlifte. Gäste dürfen mit dem Auto bis zum Hotel oder der Pension fahren. Dann bleibt das Gefährt bis zur Abreise stehen. Man braucht es auch nicht: Egal, wo man wohnt – bis zur nächsten Piste sind es maximal drei Minuten zu Fuß bzw. per Ski. Wenn ausreichend Schnee liegt.

Lange Schlangen an den Liften? Fehlanzeige. Die Kapazität reicht locker für alle, die in Pfelders Urlaub machen. Und von Meran sind es 45 Autominuten – da fahren die Tagesskiläufer lieber nach Meran 2000 oder sonstwo hin. Und das, obwohl die Pisten in Pfelders die ideale Kombination für Anfänger und Fortgeschrittene bieten.

Das Skigebiet reicht bis auf 2502 Meter hinauf. Es ist normalerweise äußerst schneesicher, die Beschneiungsanlagen müssen höchst selten in Betrieb genommen werden. Die Pisten sind perfekt präpariert, soll heißen, Buckel werden platt gewalzt. Trotzdem hat man nie jenes langweilige Autobahngefühl, das einem den Spaß am Schwingen so oft verdirbt.

Was die Pisten Grünboden und Karjoch auszeichnet, ist die tatsächlich perfekte Neigung. Obwohl es sich vorwiegend um blaue und rote Pisten handelt, lassen sich dort fulminante Schwünge in den Schnee schneiden, alles eine Frage des Tempos. Das darf ruhig hoch sein, denn es herrscht wenig Verkehr.

Andernorts muss man bekanntlich nach spätestens drei rasanten Kehren höllisch aufpassen, um Zusammenstöße zu vermeiden. Dort nicht. Selbst Skikurse hemmen ambitionierte Abfahrten nicht. Wo sonst findet man das in den Alpen? Nirgends.

 

Es ist daher auch nicht weiter verwunderlich, dass spätestens im November diverse Nationalmannschaften in Pfelders Station machen, um Riesenslalom zu trainieren. Kenner wissen eben um die Seltenheit optimaler Bedingungen für die unbestrittene technische Königsdisziplin des alpinen Rennsports. Der US-Amerikaner Ted Ligety weiß, wovon er spricht.

Selbst nach einer Woche wird es auch sehr guten Skifahrern nicht langweilig. Sogar leidenschaftliche Skienthusiasten mit mehr als 50 Jahren Erfahrungen auf Pisten in Europa und den USA finden in diesem kleinen Skigebiet bei jeder (!) Abfahrt immer noch eine neue Herausforderung. Zugegeben, sie liegt im Detail – auf der Suche nach dem perfekten Schwung und der grandiosen Linie bei optimalem individuellem Tempo.

Genug der Schwärmerei. Auch dieses Skigebiet hat seit der vergangenen Saison einen Makel. Die wunderbare alte Grünbodenhütte wurde verkauft und neu gebaut. Ein moderner Kubus aus Holz und Aluminium. Mit Selbstbedienung. Es ist ein Jammer. Die vorherigen Besitzer konnten die so gemütliche Hütte aus familiären Gründen nicht mehr betreiben. Weder die Gemeinde noch die Liftgesellschaft wollten sie übernehmen.

Also hat sie ein Hotelbesitzer aus Dorf Titol (oberhalb von Meran) gekauft. Dem Vernehmen nach als Abschreibungsobjekt. Vordergründig fwegen bessere rBedingungen für die Nationalmannschaften. Das zumindest ist eines der Argumente, die auf der Terrasse von Heidis Pub an der Talstation diskutiert wird. Der das sagt, kommt aus Frankfurt und ist seit 30 Jahren Stammgast. Der muss das schließlich wissen.

Man mag das deuten als den Beginn eines schleichenden Prozesses, um das kleine Dorf im Passeiertal mit den Segnungen des Fortschritts zu beglücken. Auch die kleineren Pensionen sind misstrauisch. Warum sonst macht der örtliche Gastronomieverband auf Messen nur Werbung für Hotels mit vier oder fünf Sternen?

Kann durchaus sein, dass sich Pfelders in den kommenden Jahren verändert und seine Einzigartigkeit verliert. Es wäre schade. Aber noch lässt sich dort ein wunderbarer Skiurlaub verbringen. Für Familien und alle, die Entschleunigung suchen. Bloß nicht auf der Piste.

Ach ja, eines noch: Das Verhältnis zwischen Preis und Leistung ist in Pfelders schlicht unschlagbar. Gleichgültig, ob es um die Preise für die Liftpässe oder um die Qualität der Verpflegung geht. Man muss ja nicht auf der neuen Grünbodenhütte ein Paar Frankfurter/Wiener Würstchen mit Pommes für 9,50 Euro essen.

Fährt man halt runter in Heidis Pub zu großartigen Germknödeln. Oder was die Südtiroler Küche sonst noch zu bieten hat. Der Burger ist übrigens auch ein Hit. Noch ein Vorteil: Nach ein paar Gläsern Wein oder Schnaps geht man halt zu Fuß nach Hause.

 

Selbst bei schlechtem Wetter muss keiner verzweifeln. Drunten in Meran scheint ja sowieso meistens die Sonne. Oder man wandert hinauf nach Lazins und belohnt sich in der uralten Wirtschaft mit Gorgonzolanudeln oder Speckknödelsuppe.