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Es war einmal auf Sylt

Der Schauspieler Christian Kohlund ist Schweizer und hat trotzdem Humor. Rein kulinarisch gesehen bei der Tour Davidoff Gastronomique im damals noch existierenden „La Mer“ in List auf Sylt gab er gleich anfangs ein paar Kalauer mit seinem Nachnamen zum besten, den man ja nun mit beliebigen Viktualien ergänzen kann…

Was bleibt, ist ein Einttrag ins kulinarische Geschichtsbuch, und zwar ein spannender: Gleich zwei Köche gestalteten das Menü – Hausherr Sebastian Zier, damals mit zwei Sternen dekoriert, und sein Freund und Kollege Sven Elverfeld, 3-Sterne-Koch aus Wolfsburg (das „Aqua“ gibt es noch…).

Allein schon Elverfelds Auftakt – Gänseleber und gebeiztes Ibérico-Schwein – entpuppte sich als grandiose Kombination in kleinen Würfeln mit Zwiebel, Granny Smith und Amaranth, eine neue frischsalzigsüßcremigschmelzige Dimension. Zier legte nach mit einer Velouté von der Sylter Royal – die gebackene Auster mit Rote Bete wurde mit der Suppe angegossen, zusammen mit den „Salty Fingers“ sah der Teller tatsächlich wie ein Gemälde aus. Die Auster freilich tat sich geschmacklich etwas schwer gegen den Teig.

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„Ich habe mich hochgeschlafen!“

Wenn einer wie Armin Rohde eine Lesung macht, dann artet das aus. In Theater. Der Mann kann einfach nicht anders, man bezeichnet das gemeinhin als Vollblutschauspieler oder Rampensau. Der bzw. die legt sich dann im Gourmetrestaurant „Überfahrt“ (inzwischen 3 Michelin-Sterne) längs auf jenes Tischchen, das ihm eigentlich als Buchunterlage dienen sollte und demonstriert, dass man auch aus kleinen Rollen etwas machen kann, schreckt also etwa als Räuber Grimm aus dem Tiefschlaf hoch, sieht sich um, marschiert im preußischen Stechschritt auf und ab und ruft – nicht ganz rollengemäß – „Hauptmann, mein Hauptmann.“

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Armin Rohde ©Davidoff

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Gäste der Davidoff Tour Gastronomique bereits einiges intus – nicht nur kulinarisch. Los ging’s mit Armin Rohde in der „Villa am See“ in Tegernsee. Am Wasser, mit Champagner Bollinger Special Cuvée Brut und germanischem Selbstverständnis. „In Deutschland ist es verpönt, wenn man von sich als Schauspieler sagt: ‚Ich bin gut, ich weiß, dass ich was kann.’ Genehmigt und sympathisch gefunden wird eher, wenn der Schauspieler wie ein Zehnjähriger mit ungläubigem Blick verblüfft fragt: ‚Ganz ehrlich? Sie finden mich tatsächlich gut? Ihnen gefällt, was ich mache?’ Und wenn der Schauspieler es schafft, dabei noch ein ganz klein wenig rot zu werden – prima, umso besser. Stellen Sie sich das Gleiche bitte bei dem Chirurgen vor, der Ihnen den Blinddarm entfernt hat, oder bei dem Mann, der gerade Ihren Fernseher repariert hat.“

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