Schlagwort-Archiv: Südtirol

Kalterns Quintessenz

Es geht eben auch anders: Wer nach Kaltern in Südtirol fährt und sich mit den Menschen dort beschäftigt, der erlebt einen von gegenseitiger Wertschätzung geprägten Mirkokosmos, dessen gesellschaftlicher Konsens durchaus das Zeug zum Vorbild hat: Gemeinschaftsgefühl, Zusammenhalt, Tradition, Stolz, Liebe zur Heimat. Und ausgezeichnete Weine.

Seit jeher ist Kaltern eine Weinregion. Und die Kellerei Kaltern zeigt, wie gut eine Genossenschaft funktioniert. Die Idee dahinter: Würde jeder für sich arbeiten, würde er scheitern – nur gemeinsam lässt sich etwas erreichen. Darüber sind sich die immerhin 400 Mitglieder der Genossenschaft einig.

Deswegen hat man dort bereits in den 1980er-Jahren erkannt, dass Klasse statt Masse die richtige Richtung ist. Entsprechend wurden die Erträge der rund 300 Hektar großen bewirtschafteten Fläche (45 Prozent Weißwein- und 55 Prozent Rotwein-Sorten) konsequent reduziert – von 200 Zentner pro Hektar auf derzeit 75 Zentner. Und das kommt der Qualität eindeutig zugute. 1,8 Millionen Flaschen werden jährlich befüllt.

Am besten sieht man das an der Quintessenz-Linie. Kellermeister Andrea Moser zeigt hier das perfekte Zusammenspiel von noblen Rebsorten und bestem Terroir, von Hingabe und Fachkenntnis. Daraus entstehen Weine für besondere Momente.

Die Quintessenz-Linie wird ausschließlich aus den besten Trauben der ältesten Charakterlagen gekeltert und konzentriert sich auf fünf große Leitsorten: Sauvignon, Cabernet Sauvignon, Weißburgunder, Kalterersee/Vernatsch und edelsüßer Goldmuskateller.  Details und Verkostungsnotizen gibt’s hier.

Wer diese (und natürlich auch alle anderen) Weine verkosten will, der hat genau zwei großartige Möglichkeiten.

Erstens: das Winecenter. Diese monolithische Skulptur am Eingang von Kaltern ist das ambitionierte Projekt der Wiener Architekten-Gruppe feld72. Es lebt vom Dialog der alten Kellerei aus dem Jahr 1911 mit der Architektur des 21. Jahrhunderts.

Zweitens: das Musikfestival „Kaltern Pop“ vom 25. bis 27. Oktober. Es findet heuer bereits zum vierten Mal statt und markiert das Ende der Weinlese. Die Kellerei Kaltern hat für diese Initiative eine Sonderfüllung des Leuchtenberg Kalterersee Classico Superiore mit einem eigenen Kaltern Pop Etikett realisiert.

Wer sich jetzt nicht zu einem Besuch in Kalterns heiler (Wein-)Welt entschließt, dem ist nun wirklich nicht mehr zu helfen.

Hüttentour in Alta Badia

 Der 5. August 2008 war für Irene Pedratscher mindestens ein ebenso besonderer Tag wie für den Rest der Bewohner von Alta Badia. An jenem Tag nämlich unternahm Papst Benedikt XVI. von seiner Sommerresidenz in Brixen aus eine Pilgerfahrt in das Südtiroler Hochtal, in das kleine Dorf Oies. Dort steht das Geburtshaus des Heiligen Josef Freinademetz, der der Schutzheilige des gesamten Tals ist und Missionar in China war. Sein Bildnis prangt als gewaltiges Plakat an der Kirche in Oies und wüsste man nicht, dass es sich um einen Südtiroler Priester handelt, man könnte glauben, er wäre mit seinem hageren Gesicht und dem langen Kinnbart ein Einwanderer. Irene Pedratscher jedenfalls stand an diesem Tag ebenso wie alle anderen Gläubigen und Pilgern auf der Straße, und es gibt ein Foto, auf dem der Papst ihr die Hand reicht. Dieses Foto, und jetzt nähern wir uns dem eigentlichen Thema, zeigt die Hüttenwirtin gern allen ihren Gästen. Die ihre Ski am Rand der Piste abgeschnallt haben und mit dem Pferdeschlitten gekommen sind, um bei ihr Mittag zu essen.

†tia (HŸtte) Oies - Alla Tana dellÕOrsoIrenes „Ütia Oies – Alla Tana dell’ Orso“, und jetzt sind wir beim Thema, ist eine von acht Hütten, die der Skifahrer im Rahmen der zu Beginn dieser Saison geschaffenen „Skitour Gourmet Santa Croce“ besuchen kann. In sämtlichen beteiligten Hütten kommen typische ladinische Gerichte auf den Tisch und schaffen so quasi ein Gegengewicht der Hausmannskost auf den Bergen zu der mit Michelin-Sternen ausgezeichneten Haute cuisine von Norbert Niederkofler („St. Hubertus“), Stefan Wieser („Siriola“) und Claudio Melis („La Stüa de Michil“) im Tal. Bei Irene, deren eine Stube etwa 500 Teddybären aus Plüsch zieren, während die andere von zahlreichen kleinen Hexen bevölkert ist, gibt es in der Saison Steinpilze vom Grill, der als so genannter „Tartarenhut“ auf dem Tisch steht. Und selbstverständlich auch mit allen Arten von Filet belegt werden kann. Wer den „Hexenteller“ bestellt, erhält übrigens neben ladinischen Spezialitäten auch eine kleine Hexenpuppe als Souvenir.

Hüttentour in Alta Badia weiterlesen