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Was für ein Theater!

Das Stück „Fast perfekt“ der kanadischen Autorin Nicole Moeller traf mich völlig unvorbereitet. Keine Ahnung, dass die Inspiration dazu der Fall Natascha Kampusch war. Ein zwölfjähriges Mädchen verschwindet, taucht nach sechs Jahren wieder auf, die Medien stürzen sich auf sie, aber sie sagt kein Wort. Zunächst. Was auf der Bühne des Teamtheaters Tankstelle in der Münchner Innenstadt abging, war ein beeindruckend intelligentes Lehrstück über hörige Abhängigkeiten, journalistische Sensationsgier, Sehnsucht nach Liebe und Freiheit und die Unfähigkeit, damit umzugehen.

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Foto: Aylin Kalp

Stefan Maaß als narzistischer Journalist Greg, Sascha Maaz als sozialdeformierter Entführer Matthew und vor allem Elisabeth Grünebach als das Opfer Chloe arbeiteten ihre Persönlichkeiten mit großer Detailsicherheit,  Sensibilität und geradezu grandioser Aggression heraus. Die tatsächliche Faszination lag aber in der Gleichzeitigkeit von Vergangenheit und Gegenwart sowie in der Parallelität der Orte (Gregs Wohnung und Matthews Haus, reduziert vermittelt durch verschiebbare Fototapeten-Stellwände), die in komplexen Kreuzdialogen unfassbar dicht und fordernd die Zuschauer fesselt.

Apropos Zuschauer: Es war gerade mal ein gutes Dutzend, das an diesem Tag das Geschehen auf der Bühne verfolgte (Regie: Dieter Nelle, Dramaturgie/Produktionsleitung: Petra Maria Grühn). Als Schauspieler musste das deprimierend sein. Umso höher war die Leistung zu bewerten. Und es lässt durchaus Rückschlüsse zu auf eine massenmedial geprägte Gesellschaft, der das Bedürfnis nach intelligenter Unterhaltung wohl allmählich abhanden kommt.

„Der Erzbischof ist da“

Peter Sattmann bei der Davidoff Tour Gastronomique in Düsseldorf über die Angst des Schauspielers, auf der Theaterbühne zu spät oder zu früh zu kommen.

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Nein, mit dem Erzbischof ist nicht Jean-Claude Bourgueil, Sternekoch im Düsseldorfer „Schiffchen“ gemeint (obwohl er sich als solcher auf der Bühne bestimmt gut machen würde). „Der Erzbischof ist da“ ist der Titel eines Theaterstücks, das Schauspieler Peter Sattmann bereits vor etwa 30 Jahren geschrieben hat. An diesem Abend der Davidoff Tour Gastronomique trug er daraus vor – und obwohl es dabei um Leben und Tod ging, dürfte es einer der komischsten Abende seit Einführung der Tour 2008 gewesen sein.

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